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Tomte - Hinter all diesen Fenstern

Tomte - Hinter all diesen Fenstern

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 28.04.2003

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

In diesem fernen Schein

"Das war eine Mischung aus Angst und Bier, die Dich trieb weiterzugehen / An die Plätze, die Menschen in unserem Alter vermeiden, um dort nicht zu verglühen." Zwischen Schwermut und Demut, zwischen Schwerelosigkeit und Sinnlosigkeit paßt immer noch mindestens eine Träne. Wer wird denn hier gleich persönlich werden wollen? Thees Uhlmann will. Kehrt vor der eigenen Haustür und schaut hinters eigene Fenster. "Es ist leicht, sich zu verlieren in diesem fernen Schein", warnt er, singt für Dich und mich und all die anderen. Aber doch zuallererst für sich selbst.

Seit dem großartigen "Eine sonnige Nacht" ist einiges passiert. Die "Wir schaffen das schon"-Mentalität ist von Tomte gewichen und die Midlife Crisis da. Viel zu früh. Alleine dadurch fühlt man sich unweigerlich an Kettcar erinnert, und das vielleicht gar nicht so ungewollt. Thees Uhlmann und Marcus Wiebusch (Kettcar) sind Brüder im Geiste, die weit mehr als ihr gemeinsames Label verbindet. Man würde es "Neue Welle deutscher Melancholie" nennen, wenn das nicht so unsagbar platt klänge. Also nennt man es schön. Verständnisvoll. Und auf den Punkt gebracht. "Das ist alles andere als die gute Seite."

Tomte und Kettcar teilen sich den Platz in so vielen gebrochenen Herzen, und doch findet sich ein Unterschied zwischen den Seelenverwandten: Thees Uhlmann schreibt seine Texte nicht ohne Zynismus, mit quälendem Galgenhumor. Wenn man schon seinen Kopf auf die Guillotine namens Leben legt, dann mit einem Lächeln. Und bevor das Beil fällt, huscht ein Witz über die Lippen: "Seit 5 Jahren halte ich mein Herz in kochendes Wasser / Doch es scheint nichts zu nützen / Denn so abgebrüht bin ich noch lange nicht." Und der Henker fletscht die Zähne.

Es ist nicht einfach, Thees und seinen drei Mitstreitern zuzuhören. So viele Metaphern zwischen Gut und Böse, so viele brillante Hymnen wie "Für immer die Menschen" oder "Endlich einmal", so viel Trauer nahe an der Schmerzgrenze. Und natürlich manchmal auch ein bißchen zu viel des guten Willens. "Neulich als ich dachte" schaukelt im verirrten Dreivierteltakt, und auch "Das war ich" trägt reichlich dick auf: "Wenn es nicht mehr geht, leihe ich Dir ein Ohr / Und das hier ist die Welt, bitte sei stark!" bietet Thees an und jault wie ein angeschossener Straßenköter.

"Ich schlafe nur noch vier Stunden pro Tag" hieß es noch auf dem letzten Album. Vermutlich hat Thees Uhlmanns Bett inzwischen endgültig Staub angesetzt. Und die Bierflecken auf dem Laken müssen längst von braunen Ränder umgeben sein. Was sollte man in diesen viel zu kurzen Nächten auch anders machen, als auf die Sonne über der Nordsee zu starren, als die Gedanken mit den Blicken schweifen zu lassen? "Zeit versucht zu trösten / Und die Liebe versucht zu bewahren / Daß man weiß, daß man drüber hinwegkommt / Wie man früher einmal war."

Am Ende des Tages bleibt der Rost in den Knochen. Und ein kleines bißchen Hoffnung. "Die Schönheit der Chance / Daß wir unser Leben lieben, so spät es auch ist / Das ist nicht die Sonne, die untergeht / Sondern die Erde, die sich dreht", ruft Thees aus und reicht die Hände. Gemeinsam sind wir einsam. Und Selbstmitleid ist der erste Weg zur Besserung.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Die Bastarde, die Dich jetzt nach Hause bringen
  • Von Gott verbrüht

Tracklist

  1. Für immer die Menschen
  2. Schreit den Namen meiner Mutter
  3. Die Bastarde, die Dich jetzt nach Hause bringen
  4. Du bist den ganzen Weg gerannt
  5. Endlich einmal
  6. Neulich als ich dachte
  7. Von Gott verbrüht
  8. Insecuritate
  9. Das war ich
  10. Die Schönheit der Chance

Gesamtspielzeit: 46:00 min.

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