Brendan Benson - Lapalco
Startime / V2 / Zomba
VÖ: 14.10.2002
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Deine Stimme zählt
Strawberry fields forever
Wir alle kennen sie, diese Folksänger. Einsame Existenzen mit zerknitterten Gesichtern, gebrochenen Herzen und gerissenen Gitarrensaiten. Männer in abgewetzten Anzügen, deren lagerfeuergewärmte Finger die Akustische bearbeiten, während sie mit alkoholfarbener Stimme Geschichten von Frauen und Liebe, Politik und Protest erzählen. Die Bob Dylans. Die Nick Drakes. Die Tim Buckleys.
Aber Brendan Benson? Dieser unverschämt schnieke Charmebolzen, dieser Haufen blühendes Leben, dieser potentielle Björn Dunkerbeck-Doppelgänger, der will ein Folksänger sein? Scheinbar. Wieso sonst hätte er jenen EP-Vorboten, der dem nun vorliegenden Album "Lapalco" vorausgeeilt war, als "Folk singer" betiteln sollen? Und wieso sonst lümmelt sich der "Folk singer" nun auch an prominenter Stelle auf der neuen Platte? Aber trotzdem: Wer "Lapalco" einmal hört, der möchte den guten Brendan am liebsten zur Seite nehmen und ihm "Folk ist das aber nicht, mein Lieber" zuflüstern. Das ist aber nicht weiter schlimm. Hier ist nämlich ohnehin nichts, wie es eigentlich sein sollte.
Brendan Benson hat sicherlich nie alleine am Lagerfeuer gehockt. Viel eher können wir uns den Detroiter Songwriter da schon als halbgaren Dreikäsehoch vorstellen, der im Woodstock-Schlamm planscht, während seine Eltern sich hinter vorgehaltener Hand ein Tütchen zusammenzimmern. So klingt dann übrigens auch "Lapalco". Vom unbeschwerten Sonnenstuhl-Pop eines "Metarie" über das leichtfüßige Pianogeklimper in "Good to me" bis zum lakonisch-launigen "Hey Jude"-Ripoff "Jet lag" geht es hier so betont "laid back" zu, das man schon mal glatt nach hinten umkippen kann.
Zur Leichtigkeit des Seins gesellt sich dann meist noch ein schelmisches Augenzwinkern. "I need a pickup and I don't need a truck" frotzelt Benson im Antidepressiva-Song "You're quiet", steckt seinen Hörern eine Blume hinters Ohr und musiziert weiter munter am Zeitgeist vorbei. Während süßlich duftenden Hippie-Hymnen die breitgrinsenden Refrains gleich büschelweise in den Schoß fallen, schrammeln gnadenlos gute Vintage-Gitarren nach Albumhalbzeit bisweilen auch verklärt dreinblickende Seufzer herbei. "I'm just so far gone / I don't know which planet I'm on" gibt Benson im melancholischen "Pleasure seeker" zu, während "Jet lag" seine finale Befürchtung zum Ausdruck bringt. "Behind their backs I'm slipping through the cracks". Hinter dem kalauernden Spaßmacher steckt doch glatt ein tiefgründiger Grübler. Und auf einmal versteht man auch, warum dieser Mann sich "Folk singer" nennt.
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Highlights
- Metarie
- Folk singer
- Eventually
- Pleasure seeker
Tracklist
- Tiny spark
- Metarie
- Folk singer
- Life in the D
- Good to me
- You're quiet
- What
- Eventually
- I'm easy
- Pleasure seeker
- Just like me
- Jet lag
Gesamtspielzeit: 46:18 min.
Referenzen
Jellyfish; Jason Falkner; The Beatles; Paul McCartney; John Lennon; Ben Folds; Ryan Adams; Badly Drawn Boy; Matthew Sweet; Stephen Malkmus; Pavement; Built To Spill; Modest Mouse; Pixies; Beck; Pete Yorn; Josh Rouse; Elliott Smith; Howie Beck; Cracker; Camper Van Beethoven; Eels; Nada Surf; The Posies; Superdrag; The Blondes; Elvis Costello; Big Star; The Who; The Kinks
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